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 Säg am Kreuz nichts ab

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Esmeralda
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BeitragThema: Säg am Kreuz nichts ab   Do Apr 04, 2013 8:54 pm

säg am kreuz nichts ab
Der Kampf ist heiß, die Last ist schwer, Oft seufst du müde: Ich kann nicht mehr!
Doch halte nur aus, einst wird dirs klar, Wie nötig hier unten das Kreuz dir war.
Auf hartem Stein am Waldesrand sitzt müde ein Greis, den Stab in der Hand.
Er kann nicht mehr weiter, er ist zu matt, weil er so viel Schweres zu tragen hat,
Still schaut im Geiste den Weg. den er kam, er fing einst so herrlich mit Sonnenschein an.
Noch denkt er in stiller Wehmut zurück, doch liegt in Trümmern, was einst war sein Glück.

Nichts ist ihm geblieben, so arm und allein muss er ins hohe Alter nun sein.
Da krampft sich das Herz zusammen vor Weh: „Mein Gott, warum muss diesen Weg ich gehn?"

Und über dem Denken und über dem Sinnen ihm heiß von der Wange die Tränen rinnen.
Doch nach und nach wird es still in der Brust, er ist sich der Gotteskindschaft bewusst,
drum schaut er im Glauben hinauf zur Höh': „Dort wird sich das klären, was ich nicht versteh".
So fasst er den Stab, und mit leisem Gesang geht er heim zur Hütte am Bergeshang,
Legt müde vom Wandern zur Ruh sich hin, noch zieht ihm so manches durch den Sinn.
Auf all sein Sorgen und was er gefragt, im Traume Gott selbst ihm die Antwort sagt.

Er sieht sich als Pilger von Land zu Land recht mühsam wandern im Pilgergewand.
Das Ziel seiner Wanderung ist jene Stadt, die Gott, der Herr, selbst gegründet hat.
Und auf dem Rücken ein Kreuz er trägt, das ist die Last, die Gott aufgelegt.

Er wandert mutig, das Ziel winkt von fern, schon glänzt die Stadt wie ein goldener Stern.
Doch heiß brennt die Sonne, das Kreuz drückt sehr, er muss einmal ruhen, er kann bald nicht mehr. Dort steht ja ein Häuschen so schmuck und klein, da nimmt er das Kreuz ab; wie ruht sichs hier fein.

Als er dann weiter des Weges will gehn, sieht eine Säge er nebenstehn.
Da denkt er: Dein Kreuz ist so lang und so schwer. Du sägst etwas ab, dann drückts dich nicht mehr.
Schnell ist es getan, nun war leichter die Last, er denkt: Wie gut, dass du's abgesägt hast.
Nun geht das Wandern bequem und leicht, jetzt ist das Ziel viel schneller erreicht.
Bald sieht er die Stadt auch schon vor sich stehn , wie herrlich und schön ist sie anzusehen!
Ein Graben trennt ihn noch von der Stadt, der aber keine Brücken hat.
Er läuft entlang, er sucht und sinnt. Doch eine Brücke er nirgends find't.
Da fällt ihm das Kreuz auf dem Rücken ein, vielleicht könnte das ihm jetzt Brücke sein.


Er nimmts und schiebts übern Graben her, doch - 's ist zu kurz, es reicht nicht mehr,
Es fehlt das Stück, das er abgesägt. „Ach hätt ich's doch nicht", seufzt er tief bewegt,
„Nun stehe ich hier so nahe am Ziel, und kann doch nicht hin, weil mir's Kreuz nicht gefiel.
Er weint und schreit, er klagt sich an, weil er schuld, dass er zur Stadt nicht kann.

Da naht ein Pilger, der auch ein Kreuz trägt, von dem aber nichts abgesägt.
Er kommt zum Graben, legts Kreuz drüber hin Und geht zur Stadt mit frohem Sinn.
Da denkt unser Pilger: Ich will doch sehn, ob über dies Kreuz ich zur Stadt kann geh'n.
Er tritt hinzu, o weh, es kracht, mit einem Schrei ist er aufgewacht.

Er sieht sich im Zimmer, er ist noch hier, „Mein Gott, o von Herzen danke ich Dir!"
Es war nur ein Traum, doch die Angst und Qual. Möcht ich durchkosten nicht noch einmal.
Ich seh nun mein Kreuz an als göttliche Gab. Und säg an demselben nichts mehr ab.
So muss es sein, wie der Vater es macht, und geht auch mein Weg durch Trübsal und Nacht, ich harre still aus, trag Kreuz und Leid, es ist mir ja Brücke zur Herrlichkeit.
Und du, der du auch ein Kreuze trägst, und auch gern ein Stückchen davon absägst,
tu's nicht, denn es ist eine göttliche Gab, denn sägst du, dann sägst du den Segen ab.

Text: A. Jung, Zeichnungen: W. Jacobsen, Herausgeber: ALPHA Buchhandlung. Gottlieb-Daimler-Str. 22, 35398 Gießen
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